Das neue Tanklöschfahrzeug - Vorstellung

Wie berichtet wurde am 26. März ein neues Tanklöschfahrzeug mit der Normbezeichnung TLF 4000 an die Freiwillige Feuerwehr Pullach ausgeliefert. Einige Pullacher Feuerwehrleute erhielten vom Aufbauhersteller noch vor Ort eine ausführliche Einweisung und dienen jetzt bei der Ausbildung der restlichen Maschinisten und der Mannschaft als Multiplikatoren. Bis alle Feuerwehrleute eingewiesen sind und das Fahrzeug offiziell in Dienst gestellt werden kann wird es noch einige Wochen dauern. Ebenso steht der Termin für die feierliche Fahrzeugweihe noch nicht fest, hier werden wir Sie aber auf dem Laufenden halten. Dennoch freut sich die Feuerwehr Pullach, ihre neueste Anschaffung und die Beweggründe hierfür schon jetzt vorzustellen:

Das Vorgängermodell, ein Tanklöschfahrzeug mit der damaligen Normbezeichnung TLF 24/50, stammt aus dem Jahr 1983. Damals insbesondere vor dem Hintergrund einiger Großbrände in Pullacher Industriebetrieben sowie im Forstenrieder Park beschafft, leistete es nunmehr 31 Jahre lang treue Dienste. Diese lange Dienstzeit, die deutlich über die vom Staatsministerium des Inneren in den Förderrichtlinien veranschlagte Nutzungsdauer von 20 Jahren hinausgeht, ist nicht zuletzt auf die Pflege und Instandhaltung zurückzuführen, die sämtlichen Fahrzeuge bei der Feuerwehr Pullach zuteil wird. Nichtsdestotrotz konnte das Fahrzeug den heutigen Anforderungen nicht mehr standhalten und musste daher - sehr zum Leidwesen der meisten Feuerwehrleute, die emotional an das Fahrzeug gebunden sind und es am liebsten noch lange behalten hätten - ersetzt werden.

So begannen im Frühjahr 2012 die Planungen für die Ersatzbeschaffung. Nachdem in einem ersten Schritt die groben Anforderungen an das neue Fahrzeug festgelegt wurden, besichtigte man vergleichbare Fahrzeuge in der Umgebung. Mehrere Fahrgestell- und Aufbauhersteller präsentierten sich entweder vor Ort oder luden in ihre Fabrik ein, so dass die zuständigen Führungskräften einen guten Überblick über die technischen Möglichkeiten erhielten. Anschließend wurde eine europaweite Ausschreibung durchgeführt. Den Zuschlag für das Fahrgestellt erhielt die Firma MAN, den Aufbau fertigte die Firma Rosenbauer in Österreich. Dies ist insofern ein Novum, als dass bisher alle Großfahrzeuge bei der Feuerwehr Pullach von der Firma Iveco Magirus oder ihrem Vorgängerunternehmen Magirus Deutz stammten. Gut ein Jahr nach Auftragserteilung wurde das Fahrzeug dann im März fertiggestellt und stand zur Abholung bereit.

Es handelt sich um einen 18 Tonnen schweren MAN-Lkw mit einer Motorleistung von 340 PS und Allradantrieb. Das Fahrzeug verfügt über eine Truppbesatzung, also Platz für drei Feuerwehrleute. Hauptsächlich wird das Fahrzeug für die Bekämpfung von Großbränden benötigt, so dass der Fokus bei der technischen Ausstattung auf der Brandbekämpfung liegt: Eingebaut sind eine Pumpe mit einer Leistung von 3500 l/Min. bei 10 bar, ein Wassertank mit 5000 l Fassungsvermögen und zwei Schaummitteltanks mit je 250 l Inhalt. In einem Schaummitteltank wird Mehrbereichsschaummittel, das etwa bei Flüssigkeitsbränden eingesetzt werden kann, mitgeführt, das Schaummittel in dem anderen Tank ist speziell für die Bekämpfung von Bränden fester Stoffe geeignet. Weitere Sonderlöschmittel sind 50 kg Pulver und 40 kg Kohlendioxid jeweils in fahrbaren Löschern sowie insgesamt fünf Handfeuerlöscher verschiedenen Inhalts. Auf dem Dach befindet sich ein leistungsstarker Schaum-Wasserwerfer, der aus dem Fahrerhaus ferngesteuert werden kann und unter anderem auch während der Fahrt einsetzbar ist. Zur Bekämpfung von Entstehungsbränden wird ein Kleinlöschgerät vom Typ Hi-CAFS mitgeführt, auch ein formstabiler Schnellangriffsschlauch mit 50 m Länge ist eingebaut. Zur persönlichen Schutzausrüstung zählen drei Atemschutzgeräte mit Ersatzflaschen und vier Hitzeschutzhauben bzw. -anzüge. B-Schläuche mit einer Gesamtlänge von 260 m und insgesamt 345 m C-Schläuche ermöglichen den Aufbau einer Wasserversorgung auch über längere Strecken. Auch ein perforierter, sogenannter Düsenschlauch und zwei Hydroschilde - dies wird zum Aufbau einer Wasserwand, etwa für die Abschirmung von Gebäuden vor Wärmestrahlung benötigt - befinden sich an Bord. Zur Bekämpfung von Bränden in Schornsteinen und Zwischendecken wurde ein Fognail-System (Löschnägel) angeschafft. Ein Waldbrandbekämpfungsset und ein Faltbehälter mit 5000 l Fassungsvermögen für Einsätze in unwegsamen Gegenden werden ebenfalls mitgeführt. Vom Vorgängerfahrzeug wurde ein wasserbetriebener Überdrücklüfter übernommen. Bei Großbränden in Industrieanlagen kann ein tragbarer Wasserwerfer auch dort eingesetzt werden, wo sich Fahrzeug und Mannschaft aus Sicherheitsgründen nicht aufhalten dürfen.

Eine im Fahrzeug festeingebaute Dynawatt-Anlage liefert 7 kvA Strom. Damit können diverse elektrische Verbraucher autark betrieben werden. Um das Fahrzeug auch bei flächendeckenden Unwetterereignissen einsetzen zu können, werden zwei Tauchpumpen, ein Wassersauger und eine Motorsäge mit Zubehör mitgeführt. Eine vierteilige Steckleiter und diverses Handwerkzeug runden die Beladung ab.

Der Einsatzwert des Fahrzeugs konnte damit im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich gesteigert und an die heutigen Bedürfnisse angepasst werden. Das Fahrzeug dient nicht mehr nur dem Transport von Löschmittel, sondern kann bei verschiedensten Einsatzszenarien selbstständig eingesetzt werden.

 

 

Moritz Lochmann
Presse- und Öffentlichkeitsrarbeit